Geistlicher Impuls für den Monat November

Zeit des Gedenkens und des Innehaltens

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

der Monat November ist ein Monat, der geprägt ist von Gedenken an die Verstorbenen: Allerheiligen, Allerseelen und Volkstrauertag. Die Zeit wird umgestellt und damit werden die Nächte länger und die Einsamkeit breitet sich bei denen intensiver aus, die einen lieben Menschen verloren haben. Trübe und schwere Tage begleiten unser Leben.

Wir besuchen an Allerheiligen und Allerseelen die Gräber unserer Lieben, die bereits verstorben sind. Für mich als Kind war es immer faszinierend, am Abend bei Dunkelheit über den Friedhof zu spazieren, und die vielen meist roten Lichter flackern zu sehen. Hier wird uns immer wieder bewusst, dass unser Leben endlich ist.

Für uns Christen ist aber das Leben nicht mit dem Tod aus. Es beginnt ein Leben, das wir uns schöner vorstellen. Es ist das Leben bei Gott. Als ich vor kurzem die Bibel aufgeschlagen habe, viel mir ein Satz auf, der mich lange begleitete. „Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!“ So schreibt Lukas in seinem Evangelium.

Der Evangelist meint damit, dass wir mit beiden Beinen auf der Welt stehen und dabei immer gefasst sein müssen, wenn die Stimme Gottes ertönt, egal in welcher Phase mein Leben sich befindet. Im jugendlichen Leben denke ich sicherlich nicht so sehr daran, aber je älter ich werde sollte ich mich mit diesem Gedanken auseinandersetzen. Ja, es liegt im Naturell von uns Menschen, dass wir diese Fragen viel zu sehr in den Hintergrund drängen. Jesus will aber von uns, dass wir unsere Lampen brennen lassen, d.h. dass wir immer so leben sollen, um bereit zu sein für die Begegnung mit dem Herrn. Aber diese Lampen müssen immer wieder mit Öl gefüllt werden und bleiben. Wir müssen unser Leben auf ihn hin ausrichten: durch Gebet oder durch Gottesdienste aller Art. Damit halten wir unsere Lampen am Leuchten. Nur so können wir andere an unserem Denken und Leben teilhaben lassen.

Diese Tage des Besinnens und des Innehaltens an Allerheiligen und Allerseelen sollen uns wieder daran erinnern, dass unser Leben endlich ist, aber auch dass dieses Leben hier auf der Erde, wie auch nach unserem Tod in Gottes schützenden Händen liegt. Vertrauen wir darauf!

Gott segne uns und das Werk Adolph Kolpings

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Oktober

„Gegrüßet seist du, Maria, ...!“


Liebe Kolpingfreunde,

 

wir sind im Monat Oktober angekommen. Ein Monat der den Übergang vom Sommer zum Herbst symbolisiert. Die warmen Sonnenstrahlen werden immer weniger und schon bald heißt es sich wieder besser anzuziehen. Die ersten Schals und Mützen kommen aus den Kleiderschränken. Oktober - ein besonderer Monat.

Auch in der Kirche ist es ein besonderer Monat. Es ist Monat in der wir besonders der Gottesmutter Maria gedenken. Im Mittelpunkt steht hier der Rosenkranz. Er scheidet die Geister. Für viele ist es nur ein Heruntergeplapper, das nicht viel bringt. Für diejenigen aber, die den Rosenkranz als meditatives Gebet für sich entdeckt haben, wird es zur Kraftquelle. Das Rosenkranzbeten lernt man nicht im Diskutieren darüber, sondern dass wir ihn in die Hand nehmen und uns in die Gebete fallen lassen. Hier wird deutlich, dass mit dem Beten des Rosenkranzes das Heilswerk Jesu Christi durchgedacht wird. Wir sind in diesem Gebet Jesus nahe.

Jedes Mal, wenn ich den Rosenkranz in die Hand nehme, tauche ich ein in die Gedankenwelt Jesu. Maria ist mir hier der Weg hin zu Christus. So wie jeder junge Mensch zur Mutter mit seinen Sorgen kommen kann, so ist es auch mit unserer himmlischen Mutter. Sie ist für uns Wegbegleiterin hin zu Jesus. Nehmen wir dieses Angebot an, eine Fürsprecherin bei Gott zu haben. Es lohnt sich. Im Rosenkranzgebet sind wir dann auch nicht allein, sondern fühlen uns geborgen unter den mütterlichen Schutz Mariens, die immer auf Jesus Christus weist.

Lasst mich schließen, mit einem Satz Adolph Kolpings, den er in den Rheinischen Volksblättern 1856 geschrieben hat: „Jeder gläubige Aufblick zum Bilde der unbefleckt empfangenen allerseligsten Jungfrau wird erwidert und reichlich belohnt durch Kräftigung des Glauben, durch Förderung des sittlichen Wandels und durch Belebung unseres Gottvertrauens.“

Gott segne uns und das Werk Adolph Kolpings

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat September

„Wenn irgend etwas heutzutage dem sozialen, politischen Leben nur vielfach mangelt, dann ist es die Religion!“

(Adolph Kolping)


Liebe Kolpingfreunde,


am 24. September sind wir wieder aufgerufen bei der Bundestagswahl unsere Stimmen abzugeben. Wir haben - trotz nachvollziehbarer Politikverdrossenheit - das große Glück, wählen zu dürfen. Wir dürfen uns frei entscheiden, welcher Partei und welchem Abgeordneten wir unsere Stimmen geben.

Vielleicht erleben wir deshalb eine gewisse Politikverdrossenheit, weil wir das „Meine-Stimme-abgeben“ zu wörtlich nehmen. Wir meinen, dass wir mit dem Kreuzchen unsere Pflicht erfüllt haben. Jetzt müssen die etwas tun, die sich haben wählen lassen. Denn schließlich haben sie dafür meine Stimme bekommen.

Doch genau darin liegt der Fehler. Wir dürfen unsere Stimmen nicht nur abgeben. Wir sind als Christen, als Kolpingschwestern und -brüder dazu berufen immer wieder die Stimme zu erheben. Immer dann, wenn Menschen vorverurteilt, ausgegrenzt, abgeschoben und ausgebeutet werden, müssen WIR laut aufschreien und das Unrecht beim Namen nennen. Dazu müssen wir den Mut aufbringen, auf die Straße zu gehen, um Flagge zu zeigen für mehr Mitmenschlichkeit, für Gerechtigkeit, für Toleranz und Verständnis. Dazu müssen wir ins Gespräch kommen mit den Politikern vor unserer Haustüre. Wenn wir schweigen, haben wir unsere Stimmen im wahrsten Sinne des Wortes "abgegeben".

Doch unsere Demokratie braucht unsere Stimme, die geprägt ist vom Evangelium Jesu Christi! Unsere Demokratie braucht mutige Menschen, die wie Adolph Kolping ihre Stimmen erheben!

Geben wir den Politikern UNSERE Stimme, damit wir sie beim Wort nehmen können.

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Sebastian Wurmdobler, past. Mitarbeiter & Bildungsreferent

Geistlicher Impuls für den Monat August

„Eine Weltfamilie, lebendig und stark, Zufluchtsort für jeden ...“

(Kolpinglied)


Liebe Kolpingfreunde,


das „neue“ Kolpinglied durfte ich bei Jubiläen und vielen weiteren Anlässen mit euch singen. Dafür bin ich sehr dankbar. Denn darin steckt Gottes Anspruch an uns als Kolpingfamilie, als Kolping-Gemeinschaft.

Diese Welt ist aber eben keine Familie: Fluchtpunkt Afrika, Kriegsschauplatz Nahost, Streitplatz Europa, Abschottungspunkt USA, etc.

Auch Deutschland wird immer weiter in einen Sog gezogen, der Menschen auseinander dividiert, polarisiert, Lager schafft und Feindschaft sät. Die Diskussionen über die „Ehe für alle“ und die Beziehung zur Türkei sind hier nur zwei exemplarische frische Wunden. Was ist da verloren gegangen? Warum kann man nicht mehr sachlich über Dinge reden?

Immer wenn Religion und Werte zugunsten politischer Argumentation und Interessen ausgehöhlt und instrumentalisiert werden und die Kirchen sich nicht massiver einmischen, passiert, was Vater Kolping prognostiziert hat:

„Wenn das religiöse Gewissen verwirrt wird, geht dem Menschen auch der Maßstab des irdischen Rechts verloren!“ Genau das erleben wir in unserer Welt.

Kolpingfreunde: Empört euch! Sagt es laut, wozu euer Herz euch drängt! Prangert Missstände an, informiert euch gut, damit ihr sachlich argumentieren könnt, steht hinter Politikern, die christliche und menschliche Werte vertreten! Seid jetzt politisch informiert, wach in der Zeit vor der Wahl und erinnert an die Versprechen nach der Wahl. Enttarnt mit eurem Wissen falsche Versprechungen, seid „Salz“!

Die Sozialverbände haben hier ihre ureigene Mission. Unsere guten Werke und unser Wissen sind unsere Überzeugungskraft.

Alles was wir Gutes säen, wird diese Welt ein Stück besser machen. Danke für euren Einsatz!

Gott segne euch und euer Wirken! Treu Kolping!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Stefan Wissel, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Juli

„Was mir aber nötig ist, das ist die Freude, die aus einem frischen, fröhlichen Glauben hervorgeht ...!“

(A. Kolping)

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

„Fading“ nennt man das, wenn man Lieder aus- oder einblendet. Auch bei Bildern ist das dank neuer Medien möglich: Bilder langsam auftauchen und langsam verblassen zu lassen. Wenn wir neue Menschen kennenlernen ist das wohl auch so. Ein Bild wird vor unserem geistigen Auge eingeblendet und immer deutlicher, wenn wir den Menschen besser kennen lernen. Wenn wir diese Menschen verlassen (müssen) oder weggehen, den Job wechseln oder unser Umfeld ändern, werden diese Menschen dann wieder ausgeblendet. Alle Beziehungen zu allen Menschen, die wir kennen aufrechtzuerhalten ist unmöglich ... wenngleich dieses Ausblenden auch immer mit Verlust verbunden ist. Ich stelle mir das so vor, dass nach dem Tod alle diese Menschen wieder eingeblendet werden. Dieses Bild gibt dann ein Bild von Gott: Alle Liebe und alle Beziehungen zusammen sind wichtig und machen unbedingt Sinn. Dahinter steht Gott, der allem einen Sinn verleiht. Das macht mich als gläubigen Menschen zu einem glücklichen Menschen. Wenn auch manche Begegnungen schicksalhaft oder traurig sind oder auch mal schlecht ausgehen ... Liebe und Sinn bleiben!

"Hoffnung heißt nicht, dass etwas gut ausgeht, sondern dass es Sinn macht, egal, wie es ausgeht." (Vaclav Havel)

Gott segne Euch!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Stefan Wissel, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Juni

"Don´t look back in anger!"

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

diesen Song der Band "Oasis" sangen die Englänger spontan bei Gedenkveranstaltungen nach dem Anschlag von Manchester. "Schau nicht im Zorn zurück!"

Ich denke für einen Angehörigen wäre es schwer, dies zu sagen. Wer allerdings immer nur auf das Furchtbare zurückblickt, kann nie Versöhnung finden, sondern wird in der Rache untergehen. Viele langjährige Konflikte forderten so immer nur mehr Tote zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen in Israel, im Jemen, in Syrien, im Sudan, in der Ukraine, ... Das Furchtbare scheint allgegenwärtig. Wie kann so Hoffnung entstehen oder gar wachsen?

Auch die Frau von Lot sieht zurück und erstarrt vor Schreck. Der Blick auf das Schreckliche lässt sie nicht mehr leben. Wie viele Menschen sind davon traumatisiert, kaputt gemacht von dem was sie erlebt haben. Auch die Jünger Jesu sperren sich ein vor Angst. Kaum ist Jesus nicht mehr sichtbar da, wird das Furchtbare zum Lebenshindernis.

Was war es, das die Jünger dann doch an Pfingsten nach draußen trieb? Warum singen die Menschen "Schau nicht im Zorn zurück" und drängen zur Versöhnung?

"Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte." (Adolph Kolping) Wenn nicht Gott durch den Heilige Geist diese Menschen trieb und treibt, wer dann? Hoffnung, die nicht stirbt. Den Leib kann man töten, die Seele nicht und auch nicht den Geist der Hoffnung. Ja, das Furchtbare wird bleiben. Aber auch die Hoffnung und der lebendige Geist, die Kraft der Liebe. die stärker ist, als Raketen und Bomben. So enden die Angriffe der menschenverachtenden Fanatiker im Nichts...

Sende aus Deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu - immer wieder!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Stefan Wissel, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Mai

Als während des Festes der Wein ausging, sagte Maria zu Jesus: "Es ist kein Wein mehr da!" (Joh 2, 3)

 

Liebe Kolpingfreunde!

 

"Was geht das mich an, wenn die zu wenig Wein besorgt haben? Was kümmert das mich, ist doch nicht mein Fest. Sie haben sich ja nun ganz schön blamiert." So hätte Maria denken können.

Doch nein! Maria steht nicht unbeteiligt daneben und sie zeigt auch keine Schadenfreude an der Blamage der Gastgeber. Maria greift ein und handelt. Sie wendet sich an ihren Sohn, der zunächst abweisend reagiert, denn sein Handeln bestimmt der Vater und sonst niemand. Da hat sich seine Mutter nicht einzumischen. Sie antwortet nicht darauf, sondern wendet sich an die Diener: „Was er euch sagt, das tut!“ Und dann wirkt er das erste Zeichen seiner Sendung, ein Geschenkwunder.

Maria greift mutig ein, packt entschlossen zu, wenn es die Situation erfordert. Und wir? Stehen wir nicht oft unbeteiligt daneben, mischen uns nicht ein, lassen die Dinge laufen, wenn Not am Mann ist, wenn jemand in Schwierigkeiten geraten ist, wenn sich jemand zu blamieren droht? Wenn es um die Verteidigung unserer eigenen Interessen geht, wissen wir schon zu handeln. Aber was kümmern uns die anderen!

Packen wir selbst zu, wenn Jesus uns braucht, wenn der andere uns braucht, wenn die Kirche, die Pfarrgemeinde, die Kolpingsfamilie uns braucht? Oder verhalten wir uns lieber ganz still, wenn uns der Glaube herausfordert? Schieben wir die Verantwortung auf andere ab oder übernehmen wir selbst einen Teil davon? Nehmen wir die Zuschauerrolle ein, um zu sehen, wie andere den Karren aus dem Dreck ziehen oder gehen wir aufs Spielfeld und agieren, um unserer Sendung durch Jesus Christus in der Welt gerecht zu werden?

Maria stand nicht unbeteiligt daneben, sie hat gehandelt.

Sie kann für uns Vorbild sein in der Nachfolge Jesu Christi.

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Sebastian Wurmdobler, past. Mitarbeiter & Bildungsreferent

Geistlicher Impuls für den Monat April

Achtung Sackgasse!

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

Sackgasse! Ende! Aus! Es geht nicht mehr weiter! Viele von uns kennen das Gefühl, nicht mehr weiter zu wissen, keinen Ausweg mehr zu sehen. Man beginnt zu resignieren und stellt seine Entscheidungen in Frage. Irgendwie hat man das Gefühl allein zu sein! Niemand ist da, der mich versteht, der mir hilft, der weiß wo’s lang geht! Selbst Gott scheint weit weg zu sein, obwohl er versprochen hat, bei mir zu sein.


Genau mit diesen Fragen und Gedanken quälten sich auch die Emmausjünger (Lk 24, 13-35). Sie waren so sehr gefangen in ihrer Trauer, dass sie nicht begreifen und verstehen konnten, was Jesus Christus in seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen eigentlich vollbracht hatte. Sie steckten fest in einer Sackgasse. Für sie gab es keinen Ausweg mehr.

 

Sackgasse! Ausweglosigkeit! Ende! Aus! Vorbei! - nicht mit Jesus Christus! Gott hat uns durch Jesus Christus einen neuen Weg eröffnet. Es ist ein Weg, der nicht im Tod endet. Es ist ein Weg, der ins Leben führt. Bei etwas Alltäglichem - beim Brechen des Brotes - beginnen die Jünger zu begreifen. Sie spüren, dass ER - ihr Freund Jesus - bei ihnen ist. Mit dieser Gewissheit kehren sie zurück ins Leben. Es gibt einen Ausweg. Der Kreuzweg Jesu ist unser Ausweg. Dieses Bild mit dem Sackgassen-Kreuz soll uns an genau diese Tatsache erinnern. Darin steckt das Geheimnis unserer Glaubens: Deinen Tod, oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Sebastian Wurmdobler, past. Mitarbeiter & Bildungsreferent

Geistlicher Impuls für den Monat März

Die Pflicht muss das Herz regieren, sonst steht die Revolution vor der Türe und das Unglück läuft hundertfüßig hintendrein.

(Adolph Kolping)

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

was hält eine Gesellschaft zusammen? Was hält einen Menschen zusammen? Wir lesen und hören von failed States, Staaten und Gesellschaften, die zerfallen, von Burn-Outs, Menschen die zerfallen, weil die innere Ordnung, das innere Gleichgewicht in Gefahr geraten. Wer weiß, warum er lebt und handelt, wer feste Werte hat, der kann ein sicheres Ziel verfolgen und muss sich nie der Sinnlosigkeit oder dem Zwang der Leistung aussetzen. Jeder Mensch ist ohne seine Taten vor Gott und somit auch für die Gesellschaft wertvoll. Das muss der Mensch aber auch erfahren: Wertschätzung und liebende Annahme ohne Vorbedingung. Wer das durch die Familie und in einer Gemeinschaft so erfahren hat, für den ist die Pflicht, sich daran auch mit seiner Kraft zu beteiligen, einsichtig und keine Last, sondern etwas, was er der Gesellschaft zurückgibt. Nur was wir selber erhalten und erfahren haben, können wir auch zurückgeben. Das gilt für die guten Dinge. Das gilt leider auch für die schlechten. Vorstände und Kolpingschwestern und -brüder sind Frauen und Männer der Pflicht, weil wir das Gute in unserer (Kolping-)Familie erfahren können. Darum wirken wir durch „solche Verbände auch heilsam in die Gesellschaft hinein.“

Die Fastenzeit lädt uns nun wieder ein, darüber nachzusinnen, was uns hält. Ich hoffe, ihr könnt euch die Zeit nehmen, im Gebet und im Glauben zu erfahren, dass Gott uns hält und auch die Gemeinschaft der eigenen und der Kolpingfamilie. Damit unsere Gesellschaft und auch wir nicht auseinanderfallen!

Gott segne euch! Danke für euer gutes Wirken!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Stefan Wissel, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Februar

"Gefühle glauben nicht an das Realitätsprinzip!"

(Alexander Kluge)

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

Das Schlagwort von der „gefühlten Wirklichkeit“ tauchte im letzten Jahr häufig auf, als es um scheinbare Bedrohungen in unserem Land ging. „Postfaktisch“ setzte sich dieser Trend fort in der Verweigerung der Anerkennung belegter Zahlen und wissenschaftlicher Erkenntnis in Bezug auf die Seriosität der Presse und die Flucht-Problematik. Damit nicht genug: „Alternative Facts“ präsentierte der Pressesprecher von Herrn Trump in den USA, als es um den schlechten Besuch bei der Vereidigung ging. Ist Wahrheit eine Gefühlssache? Sind Vernunft und Verstand außer Funktion zu setzen? Bei einigen neueren diktatorischen Bewegungen weltweit macht man sich so die Unwissenheit der Untertanen dienstbar. „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit!“, stand es über Oliver Stones Vietnam-Kriegsdrama „Platoon“ zu lesen. Die Fakten der Kriege haben uns längst in der Flüchtlingskrise eingeholt.

Es ist an der Zeit, dass wir uns mehr politisch betätigen, uns informieren und nicht der Naivität von Unwissenden folgen. Demokratie liegt in der Verantwortung aller mündigen Menschen eines Staates. Es gibt keine einfachen Lösungen. Diese enden nur in den Extremen am rechten und linken Rand. Eine Mitte darf sich aber auch nicht der tatenlosen Arroganz hingeben, dass wir schon den richtigen Weg finden. „Politiker erzählen, sie könnten die Integration verfeindeter Menschen bewältigen.“, so Bassam Tibi über die naive deutsche besänftigende Politik „Fluchtursachen bekämpfen zu wollen“. Die „failed States“ arabischer und afrikanischer Stämme und Volksgruppen sind so nicht zu „reparieren“. Die vielen jungen Menschen, die hier bei uns ankommen, bringen diese Problematiken mit. 65 Millionen weltweit auf der Flucht. 560 Millionen wollen nicht in ihren Ländern bleiben. Es bedarf ernsthafteren Bemühungen und langfristigen Konzepten, die sich an der Kultur des jeweiligen Landes und seiner Geschichte orientieren, um überhaupt Ansätze für eine Zukunft, geschweige denn eine Lösung zu finden. Alle einfach integrieren zu wollen, wird dem Problem nicht gerecht und ist uferlos, was uns Studien aus Schweden längst zeigen.

„Nicht Frieden um jeden Preis, kein Zugeständnis an Grundsätze, die über kurz oder lang uns dann erst recht in unabsehbares Elend stürzen.“, so mahnt Vater Kolping.

Sehen wir uns Fakten genau an, werden wir vertraut mit komplexen Lagen und reden wir mit in der Politik - mit unseren christlichen Werten im Hintergrund. Und vielleicht engagieren sich wieder mehr in christlichem Namen in Parteien. „Wer Mut zeigt, macht Mut!“ Es geht um den Menschen, um alle Menschen. Alle sind Gottes Kinder.

Gott segne euch bei eurem guten Wirken!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

Stefan Wissel, Diözesanpräses

Geistlicher Impuls für den Monat Januar

"Not lehrt beten und auch einig sein." (A. Kolping)

 

Liebe Kolpingfreunde,

 

wir sind bald übersättigt von den Nöten unserer Zeit.

Kriege, Terroranschläge, Rechtsruck in Europa, neue Diktaturen, Zerrissenheit innerhalb der Kirche, neue Armut ...

Vater Kolping vertraut auf das Gebet und die Kraft Gottes. Gerade die Zeit dafür nehmen sich viele Menschen nicht. Aber die Zeit zum Gebet ist unerlässlich, weil wir uns sonst seiner heilsamen Gegenwart nicht bewusst werden können. Das Gebet formt uns immer wieder um zu hoffnungsvollen Menschen, die dann auch die Kraft haben, das Gute zu tun.

Damit jeder nicht in eine andere Richtung zieht, ist ein gemeinsames Ziel notwendig. Einig müssen wir uns darin sein, was wir erreichen wollen, in der Kolpingfamilie, im Bezirksverband und auch im Diözesanverband. Als Verband sind wir demokratisch geordnet und auch dem christlichen Glauben verpflichtet. Doch auch darin liegt manchmal das Potential zum Konflikt, weil wir Menschen den Glauben auch unterschiedlich erleben und so auch unterschiedlich auslegen. Hier bitte ich euch, auf die Kraft des Gebetes zurückzugreifen. In Entschlossenheit seine Meinung zu sagen, aber auch in Liebe zur ganzen Gemeinschaft. Das ermöglicht das Gebet. Bitte vergesst es nie, wenn ihr euch trefft!

Mich drückt zurzeit die Not der jungen Menschen, die Geflüchtet sind, deren wir uns im Kolpinghaus und beim Bildungswerk mit staatlicher Hilfe annehmen. Einigen wird die Abschiebung drohen und mein Gewissen drängt mich zu handeln. Vom rechtlichen Rahmen über Anwalt und Kirchenasyl. Was aber, wenn der rechtliche Rahmen nicht mehr genügt und das Gewissen trotzdem nicht still ist?

Betet bitte für unsere Einrichtungen und diese Menschen, wie auch um den Beistand Gottes für uns. Gott segne euch!

 

Mit herzlichen Kolpinggrüßen

 

            Stefan Wissel, Diözesanpräses

Seminar im Hochseilgarten

für Paare, die heiraten wollen

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